Reise nach Andalusien 3.-11.12.2005

Zusammen mit Carsten bereiste ich im Dezember die drei großen Städte Andalusiens: Sevilla, Cordoba und Granada. Aus verschiedenen Gründen entschlossen wir uns, statt mit dem Auto mit Bahn und Bus zwischen den Städten zu reisen - eine weise Entscheidung.

Sevilla

Sevilla ist eine richtig große Stadt mit im Zentrum sehr engen Gassen, so richtig wie man sich Spanien vorstellt. Unsere Unterkunft lag in einer solch schmalen Gasse, aber wer dabei an eine ruhige Stelle denkt, liegt leider völlig falsch.

Das haben wir sehr schnell in unserer ersten Nacht erfahren. Trotz der Enge handelte es sich offensichtlich um eine Hauptdurchgangsstraße, die rund um die Uhr befahren war. Die Straßenschlucht und unser Zimmer nach vorn mit einfacher Verglasung taten das übrige. Kurz, die erste Nacht war eine Katastrophe. Darüber hinaus besaß unser Zimmer keine Heizung, und die Temperaturen nachts können nicht viel über 0° gewesen sein. Vielleicht hätten wir doch nicht so am Zimmerpreis sparen sollen. Eine Beschwerde bescherte uns zwei Einzelzimmer zum Innenhof, und mit ein paar mehr Decken war auch die Kälte unter Kontrolle zu bringen.

Der erste Eindruck von Sevilla war geprägt von Orangenbäumen überall an den Straßen, die voller praller Früchte hingen.

Eine kleine Verkostung brachte aber schnell den Grund an den Tag: die Früchte sind roh quasi ungenießbar sauer. Aus den Sevillaorangen wird nur die englische Orangenmarmelade hergestellt. Das Stadtzentrum von Sevilla wird dominiert von drei Gebäuden: der Giralda, dem Kirchturm der Kathedrale, der Kathedrale selbst und dem Alcazar Real, dem maurischen Königspalast. Alle Gebäude liegen um einen Platz herum, der voll von Touristen und die Touristen neppenden Pferdekutschern ist. Nicht zu vergessen die Massen von Souvenirshops.

Unser erster Tag war dem Alcazar gewidmet.

An den wunderschönen Kachelarbeiten an Wänden und Fußböden und den filigranen Gipsverzierungen an Säulen, Wänden und Decken konnten wir uns kaum sattsehen.

Der Palast ist zwar von einem christlichen König nach der Rückeroberung Andalusiens von den Mauren erbaut worden, er beschäftigte aber die maurischen Baumeister, die noch im Land waren. Daher mutet der Palast durch und durch arabisch an. Auch die verzierten Koransuren an den Wänden fehlen nicht. Ob das den christlichen Herrschen wohl so recht war? Nun auf jeden Fall sind die maurischen Gebäude in Andalusien mit Abstand die schönsten, so dass man dankbar für diese Entscheidung sein kann.

Auch die Gärten des Alcazar sind einen Besuch wert:

Nach dem Besuch des Alcazar machten wir noch eine Stadtrundfahrt, bei der man beliebig aus- und wieder einsteigen konnte. Wir haben nur einen Zwischenstopp am Plaza de Espana gemacht. Dieser Platz wurde 1929 zur ibero-amerikanischen Ausstellung gebaut. Jede Provinz in Spanien (und das sind viele!) hat dort ihre eigene Nische mit Kacheln, die Bilder aus der Geschichte der Provinz zeigen. Ebenfalls ziemlich monumental das ganze, aber sehr schön angelegt und ziemlich beeindruckend.

Die Stadtrundfahrt führte uns weiter durch das Expo Gelände von 1992, das mit seinen ziemlich spektakulären Gebäuden komplett verwaist aussah. Ein etwas trauriger Anblick. Zum Abschluss besuchten wir noch die Stierkampfarena, die eine der ältesten in Spanien ist. Schliesslich spielt hier ja auch ein Teil der Oper Carmen (auch die Zigarettenfabrik, in der Carmen arbeitet, wurde uns bei der Rundfahrt gezeigt).

Am nächsten Tag besichtigten wir die Giralda und die Kathedrale. Der Kontrast hätte größer nicht sein können. Die Kathedrale gilt als die größte gotische Kirche der Welt und die drittgrößte Kirche überhaupt nach dem Petersdom in Rom und St. Paul's in London. Aber wer kennt schon die Kathedrale von Sevilla? Nun ja, sie ist zu recht ziemlich unbekannt. Sie ist zwar groß, aber schön ist sie nicht. Der monumentale Bau erdrückt einen geradezu, die Säulen sind so massiv, dass sie plump wirken. Keine Spur von den himmelwärts strebenden, luftigen Linien, die gotische Kirchen normalerweise haben.

Das einzig bemerkenswerte im Innenraum ist das (auch ziemlich massive) Grabmal von Christoph Kolumbus.

Die Giralda ist auch ein riesiger Turm, aber viel älter als die Kathedrale. Der Turm gehörte ursprünglich zu der Moschee, die vor der Kirche an diesem Platz stand. Er hat statt Treppen eine umlaufende Rampe zum Aufstieg, was das Ganze sehr viel weniger anstrengend macht. Angeblich diente die Rampe dazu, dass der Muezzin mit seinem Pferd hinaufreiten konnte. Was das Pferd dort oben sollte, hat sich mir nicht erschlossen. Auf jeden Fall hat man von dort eine grandiose Sicht über Sevilla.

Der Besuch in Sevilla war stark geprägt von den vielen exzellenten Tapas Bars, in denen wir uns fast ausschliesslich ernährt haben. Besonders der Schinken war der Beste, den ich je gegessen habe. Mit ca. 15 EUR für 50 g im Supermarkt allerdings auch nicht gerade billig. Besonders zu erwähnen ist die Bar Alfalfa, die sich schnell zu unserer Frühstücks- und Absackeradresse entwickelt hat.

Cordoba

Nach Cordoba gings mit dem Hochgeschwindigkeitszug AVE, einer Art spanischem ICE. Zur Begrüßung gabs für jeden ein Kopfhörerset und dann einen Film auf Bildschirmen im Großraumwagen. Toll! Dafür hatten wir allerdings gar keine Zeit, denn in diesem Mordstempo waren wir schon in 45 Minuten in Cordoba.

Cordoba ist heute eher beschaulich und klein, obwohl es im Mittelalter zu einer Zeit die größte Stadt Europas war und ein großes Kultur- und Wissenschaftszentrum. In Cordoba lebten mindestens eine Zeit lang die Christen, Juden und Moslems friedlich zusammen. Diese Zeit ist natürlich lange vorbei. Aber Cordoba macht vielleicht den "arabischsten" Eindruck von den drei Städten. Die Häuser in den engen Gassen sind fast alle weiß, wodurch die Stadt einen ganz anderen Eindruck macht als Sevilla.

Die Haupattraktion in Cordoba ist die Mezquita, die riesige Moschee mit dem Säulenwald, die leider im 16 .Jh. von Karl V. durch eine barocke Kathedrale in ihrer Mitte ziemlich verschandelt wurde. Die Moschee ist aber trotzdem immer noch ein überwältigender Bau. Durch fast 1000 Säulen bieten sich immer neue Blicke.

Die Kathedrale in der Mitte erinnert wieder stark an den Bau in Sevilla: monumental und überladen. Man sieht auch hier, dass die Christen, nachdem sie das Land von den Mauren zurückerobert hatten, ihre Macht demonstrieren mussten.

Das Nachtleben von Cordoba ist eher mager, wir mussten schon etwas suchen, bis wir überhaupt ein akzeptables Restaurant fanden. Tapas Bars waren fast noch spärlicher.

Granada

Per Bus ging die Reise weiter nach Granada durch hügeliges Land, das Ende der Fahrt gekrönt vom Ausblick auf die schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada. Unser Hotel in Granada war ziemlich nobel und an der Straße gelegen, auf der die Busse hinauf auf die Alhambra fahren. Zum Glück fahren die Busse nicht nachts, so dass es leidlich ruhig war. Granada liegt 700 m hoch, entsprechend kalt war es nachts. Tagsüber war die Sonne zwar kräftig, aber im Schatten war es auch tagsüber ziemlich kalt. Insgesamt ein Eindruck wie im Skiurlaub bei viel Sonne. Granada wirkt sehr jung und quirlig. Offensichtlich gibt es dort sehr viele Studenten, und abends tummelt sich die ganze Bevölkerung auf den Straßen , so wirkte es jedenfalls, trotz der eisigen Temperaturen.

Unser Besuch der Alhambra begann schon um 8:30, da dann laut Empfehlung noch am wenigsten Besucher anzutreffen sind. Das hieß also um 6:30 aus dem Bett pellen und in völliger Dunkelheit den Berg hinauf schleppen.

Aber alle Mühe hat sich gelohnt. Wir waren die ersten Besucher im Nasridenpalast und hatten mindestens 10 Minuten einige Räume und den berühmten Löwenhof ganz für uns. Man bekommt auf diese Weise einen ganz anderen Eindruck, wie der Palast damals gewirkt haben muss. Später zusammen mit ein paar hundert anderen Leuten wirkte es doch eben mehr wie ein Museum als wie eine Wohnanlage.

Der Nasridenpalast ist wirklich ein unvergleichliches Bauwerk. Nicht nur die wunderbar verzierten Gebäude selbst, sondern auch die vielen Brunnen und in den Boden eingelassenen Wasserläufe zusammen mit der Lage hoch über der Stadt machen die Anlage so einmalig.

Nach dem ausgiebigen Besuch der Alhrambra und den angrenzenden Gärten des Generalife bestiegen wir noch den gegenüberliegenden Hügel, auf dem die Altstadt liegt, um den Sonnenuntergang mit Blick auf die Alhambra zu genießen. Wir waren offensichtlich nicht die einzigen, die auf diese Idee gekommen waren. Es gibt dort Bars mit Aussichtsterrassen, die nur darauf ausgerichtet scheinen. Auf einem Kirchenvorplatz mit guter Aussicht herrschte geradezu Volksfeststimmung.

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